Peiner Biologische Arbeitsgemeinschaft von 1953 e.V.
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Fledermausbunker am Gradeberg

Am Rande eines Waldes in Gadenstedt (Am Gradeberg) besteht ein Bunker, der vor vielen Jahren durch den Landkreis Peine als Winterquartier für Fledermäuse umgestaltet wurde. Seitdem ist dieser Bunker weitgehend in Vergessenheit geraten, auch weil es keine aktive Betreuung gab. Als unsere Arbeitsgruppe von diesem Bunker erstmals im März 2021 erfuhr, war das Einflugloch in der Tür sowie die Einflugbahn zum Bunker für die Fledermäuse weitgehend durch Äste, Zweige und Sträucher verdeckt. Das hat uns vermuten lassen, dass dieser Bunker nicht durch Fledermäuse besucht werden konnte. Fledermäuse brauchen ein frei zugängliches Einflugloch mit einer Einflugbahn ohne Hindernisse.

Eingangstür verdeckt durch die Vegetation

Unsere Gruppenmitglieder sahen hier das Potenzial, diesen Bunker durch Arbeitseinsätze wieder als frostfreies Winterquartier für Fledermäuse von der Vegetation freizuschneiden und diesen Bunker zu betreuen. Dafür haben wir kurzfristig die Genehmigung des Landkreises erhalten.

Revitalisierung des Fledermausbunkers

Beim ersten Arbeitseinsatz im Juni 2021 musste das große Hängeschloss vor der rostigen Metalltür entfernt werden, weil der Schlüssel nicht auffindbar war. Dieses war nur durch den Einsatz eines Winkelschleifers möglich.

Hiernach waren weitere Einsätze während des Sommers notwendig, um die eiserne Eingangstür öffnen zu können, die über viele Jahre in dem eisernen Türrahmen eingerostet war. Wiederholte Hammerschläge und der Einsatz rostlösender Sprays über mehrere Tage waren dafür notwendig! Dann musste noch die über viele Jahre angesammelte teilweise knietiefe Erdschicht vor der Tür entfernt werden.

Die Tür konnte endlich im August 2021 geöffnet werden. Bei der anschließenden Untersuchung des Bunkers fanden wir eine hohe Anzahl von aufgestellten Schlafsteinen, deren Ritze und Löcher im Winter als Schlafstellen dienen könnten.

Schlafsteine im Bunker

Es konnten jedoch keine Anzeichen (z.B. Kotspuren) für eine Nutzung in den letzten Jahren durch Fledermäuse festgestellt werden. Dies war wahrscheinlich eine Folge des fehlenden frei zugänglichen Einfluglochs.

Erhöhung der Luftfeuchtigkeit

Die Luftfeuchtigkeit im Bunker betrug nach der Öffnung nur 62%, während die optimale Luftfeuchtigkeit für Winterquartiere bei 90% liegt. Die zwei vorhandenen Wasserrohre über dem Bunker, die Regenwasser in den Bunker führen sollten, waren jedoch mit Steinen und Sand befüllt und trotz mehrerer Versuche nicht freizubekommen.

Um die nötige hohe Luftfeuchtigkeit zu erlangen, haben wir ein neues Wasserverteilungssystem erstellt, welches bei geschlossener Tür durch das Einflugloch befüllt werden kann, um die 90% Luftfeuchtigkeit zu erreichen und gleichzeitig dabei die Fledermäuse durch Türöffnungen möglichst wenig zu stören. Dieses Ziel wurde im Herbst erreicht.

Andreas installiert das neue Wasserverteilungssystem

Die Wasserleitung ist fast fertig!

Befüllung der Wassereinfuhr per Trichter

Fledermäuse ziehen wieder ein

Nach Fertigstellung des Wasserverteilungssystem wurde eine Wildkamera im Bunker aufgestellt, um festzustellen, ob die Fledermäuse im angrenzenden Wald diesen Bunker jetzt annehmen würden. Bei der Auswertung der Speicherkarte eine Woche später konnten einzelne Fledermäuse tatsächlich gesehen werden! Dies könnten Erkundungsbesuche gewesen sein, um diesen Bunker als mögliches Winterquartier zu inspizieren.

Während des Winters konnten dann bei zwei Kontrollbesuchen einzelne schlafende Fledermäuse festgestellt werden. Es handelte sich um Braune Langohren.

Braunes Langohr im Schlafstein bei der Winterruhe

Nahaufnahme (Braunes Langohr)

Bei weiteren Auswertungen der Wildkamera konnten während des Winters einzelne Fledermäuse bei periodischen Wachphasen aufgezeichnet werden, auch im Dezember und im Januar, als die Außentemperaturen während des Winters zwischen kalten und warmen Phasen schwankten.

Fazit

Dieses Projekt kann als Erfolg betrachtet werden. Der Bunker wurde nach Freischneiden der Vegetation vor dem Einflugloch sowie der Erhöhung der Luftfeuchtigkeit von den Fledermäusen als Winterquartier angenommen. Damit konnten wir einen Beitrag zum Schutz und Erhalt der bedrohten Fledermäuse leisten. Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren noch zusätzliche Fledermäuse in verschiedenen Arten dieses frostfreie Winterquartier für sich entdecken.

 

Projektleitung:

Dr. Michael Wallis
Email: wallis.m@t-online.de